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2012 08 – Sankt Petersburg – Die Bewerbung

Gefühlte 100x habe ich mein Motivationsschreiben überarbeitet um mich zur Teilnahme am Sommerkolleg des ISI nach Sankt Petersburg zu Bewerben. Viel Information, die ich gerne preisgeben wollte, musste auf eine A4 Seite zusammengequetscht werden. Mein Ansatz eine kleinere Schriftart zu verwenden wurde vernichtend kritisiert… 😉

Zuerst möchte ich allen danken, die mich unterstützt haben ein gutes Schreiben zu verfassen. Vor allem denen, die mir Verbesserungsvorschläge lieferten und so halfen, einen wirklich motiviert klingenden Text zu verfassen. Dank euch habe ich meine Bescheidenheit überwunden und meinen Text auf das wesentliche (von mir vertretbare) gekürzt. Durch eure Inputs aus verschiedenen Berufsfeldern konnte ich sehr von unterschiedlichen Blickweisen profitieren.

[spoiler show=“Motivationsschreiben“ hide=“verstecken“]Ich bin Physikstudent an der TU-Wien, wo ich gerade meine Diplomarbeit schreibe und als Tutor tätig bin. Im März 2008 startete ich am Sprachenzentrum der UniWien meinen ersten Russischkurs. Mittlerweile habe ich das Niveau C1 abgeschlossen und bin relativ routiniert in Alltagssituationen.

Nach circa einem Jahr machte ich meine erste praktische Auslandserfahrung in Odessa. Die Stadt, Kultur und Menschen bewegten mich dazu insgesamt 3 Sommer (jeweils ein Monat) dort zu verbringen. Durch den Einzel-Intensivkurs vor Ort konnte ich viel lernen und genug Praxis zu sammeln um die Sprache außerhalb des Unterrichts anwenden zu können.
Die Gastfamilie trug einen großen Teil zu meinen Kenntnissen bei und sorgte dafür, dass ich mich rundum wohlfühlte. Stundenlange Gespräche mit der Gastmutter waren gutes Training und ihre Versorgung mit Köstlichkeiten aus der russisch-ukrainischen Küche machten meinen Aufenthalt unvergesslich. Mit ihrem Sohn (6-8 Jahre) freundete ich mich schnell an und wir spielten oft gemeinsam.
Die Erfahrung alleine in ein fremdes Land zu reisen, die Kultur kennenzulernen und die Sprache zum ersten Mal wirklich anzuwenden war unvergleichbar. Ich hatte sehr viel Spaß aber auch Momente der Verzweiflung und Frustration. Vor allem beim ersten Besuch, als das Sprechen noch gar nicht richtig funktionierte oder in Momenten gegen Ende des Aufenthaltes, wenn es einfach schon zu viel Russisch war.

Im Moment besuche ich leider keinen Kurs, versuche aber mit einer Tandempartnerin am Ball zu bleiben. Außerdem stehe ich über die Sprachplattform Livemocha (sowie Skype) in regem bilingualen Austausch mit russischsprachigen Menschen. Vorteil ist, dass es Spaß macht, man sich gegenseitig hilft und gleichzeitig auch etwas über die eigene Sprache lernen kann.

Russisch ist mittlerweile ein großes Hobby und stellt einen guten Ausgleich zu meinem Studium dar. Ich habe das Ziel meine Kenntnisse zu perfektionieren und die Sprache bestmöglich zu beherrschen. Es ist sehr interessant die russische Mentalität und Kultur auf Reisen zu erforschen und man lernt wesentlich schneller, wenn man 24h von einer Sprache umgeben ist. Um die echte russische Kultur und Bevölkerung (in Russland) kennenzulernen schafft das Sommerkolleg für mich den idealen Rahmen.

Sankt Petersburg stelle ich mir als ideales Ziel vor: ich liebe das Meer, Brücken sowie großzügig angelegte Städte. Als leidenschaftlichen Hobbyfotografen und Reisenden ziehen mich natürlich prunkvolle Bauten, der Hafen sowie der Charme der Stadt an (den es noch zu bestätigen gilt). Auch bin ich sehr gespannt auf die Unterschiede zu Odessa und Wien. Am Sommerkolleg reizt mich vor allem die Möglichkeit von Anfang an Kontakt zu Einheimischen zu haben und Freundschaften zu knüpfen, was den Aufenthalt im Vergleich zur Einzelreise erheblich spannender gestalten sollte.

Ich bin überzeugt davon mich gut in die Gruppe des Sommerkollegs zu integrieren, da es mir viel Freude bereitet anderen zu helfen und die beidseitige Entwicklung zu fördern. Als Teenager habe ich viele Jahre Basketball gespielt und dabei meine Teamfähigkeiten voll ausgelebt. Ich finde, dass man zusammen durch Austausch von Ideen und gegenseitiger Motivation tolle Ergebnisse erzielen kann. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Studienvertreter konnte ich auch spannende Erfahrungen in Bezug auf Vernetzung sammeln.[/spoiler]

Der Lohn: Seit gestern habe ich offiziell die Bestätigung, dass ich dabei bin 🙂

Nächster Schritt ist es sich mit dem Arbeitsauftrag auseinanderzusetzen (Eine Art Vortrag/Referat) und den Tandempartner oder die Tandempartnerin, sowie die Gruppe ein wenig näher kennenzulernen. Ich bin schon gespannt wie es weitergehen wird und auch wie mir Sankt Petersburg gefallen wird. Mir wurde jedenfalls schon sehr viel darüber erzählt, was in mir Fernweh geweckt hat…

2009 – Odessa – erster Russischkontakt im Ausland

Vor etwas mehr als einem Jahr war ich auf Empfehlung eines Kollegen aus meinem ersten Russischkurs in Odessa (Ukraine). Es war eine sehr interessante und tolle Erfahrung, die mir auch sprachlich sehr viel gebracht hat.
Die Sprachschule OLSC hat bis auf den Flug den organisatorischen Part übernommen. In dieser habe ich auch sehr nette russisch Lernende kennengelernt. Mit ihnen habe ich die Gegend und das Land weiter erkundet.

[spoiler show=“Weiterlesen“ hide=“Kompaktmodus“]Ich entschloss mich für 150€ pro Woche bei einer Gastfamilie (inkl. Frühstück und Abendessen) zu Wohnen und einen „standard individual course“ (Einzelkurs) mit 20h pro Woche zu belegen. Geflogen bin ich mit CarpatAir die aber dann ein Jahr später (2010) leider nicht mehr aus Wien startete. Ich habe die Schule beauftragt mich zu meiner Gastfamilie zu bringen, war es eine sehr angenehme und unkomplizierte Einreise ermöglichte. Einzig am Flughafenschalter hat es etwas länger gedauert, da ich die Immigrationskarte nicht zur Zufriedenheit der Beamtin ausgefüllt hatte. Mein Russisch war zu diesem Zeitpunkt noch dazu ziemlich unbrauchbar, mit Händen und Füßen ging aber dann doch alles glatt.

Gastfreundschaft wie in den Lehrbüchern

Ich wurde von der Gastfamilie sehr herzlich empfangen. Die Hausfrau Natascha konnte nur russisch/ukrainisch sprechen, was die Kommunikation sehr schwierig gestaltete. Es dauerte ein paar Tage bis ich mich aklimatisiert hatte und mich besser mit ihr verständigen konnte. Sehr geduldig hat sie Sätze immer wieder umformuliert (ich war auch nicht ihr erster Gast) bis ich halbwegs verstanden hatte was sie mir erzählen wollte. Die Abendessen fielen immer sehr üppig aus und ich konnte kein einziges Mal alles aufessen. Das ist wohl die berühmte russische Gastfreundschaft.
Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist die allgegenwärtige Dille, von der ich mich später nurmehr schwer trennen konnte. Weiters muss ich gleich erwähnen, dass der Sauerrahm dort auch genial ist. (Hierzulande kann ich ihn solo garnicht essen, dort ist er fetter und leicht süßlich)

Odessa, eine sehr schöne Stadt

Odessa selbst ist zumindest im Norden (Stadtzentrum) eine wunderschöne Stadt. Viele der Gebäude sind renoviert und die Verzierungen, sowie die Architektur erinnert stellenweise stark an Wien. Wo man allerdings Vorsicht walten lassen sollte sind die Gehsteige, es hat mich nicht nur einmal durch Unachtsamkeit fast einen Sturz gekostet. Im Boden befinden sich immer wieder mehr oder weniger tiefe Löcher/Spalte oder auch Kellerabgänge ohne Geländer.
Die Orientierung selbst mit Karte ist ob der fehlenden Straßennamensschilder garnicht so einfach. Die Straßen haben zwar Namen aber leider selten Schilder. Deshalb habe ich mich eher auf meinen Orientierungssinn verlassen, als zu versuchen via Karte den richtigen Weg zu finden.

Der Alltag

Werktags um 09:00 ging es immer mit dem Kurs los, danach (4 akademische Stunden später) war mein Hirn immer sehr ausgelaugt, sodass es erst einmal eine Erholungsphase gebraucht hat. In meinem Gruppenkurs in Wien ist das Betreuungsverhältnis und damit die Auslastung meinerseits völlig anders. Ab der 2. Hälfte der dritten Kurswoche war ich schon nicht mehr so lernfähig wie am Anfang. Man kann sich bei voller Aufmerksamkeit der Lehrerin einfach nicht verstecken und sich berieseln lassen 😉
Die Lehrerin war sehr geduldig und ihre etwas drilligen Methoden waren genau das Richtige für mich! Ich hatte sehr viel Spaß am Lernen und habe mein Niveau wieder auf das Level gebracht wo ich laut dem wiener Kurslevel eigentlich sein sollte.

Ausflüge, Freizeit usw.

Zwischendurch habe ich noch mit ein paar Leuten, die ich in der Schule kennengelernt habe einen Ausflug in die Karpaten gemacht. Sonst haben wir viel Zeit in einem französisch angehauchtem Lokal mit gratis WLan verbracht und dort Tee genossen. In der letzten Woche kam noch, aus Angst etwas zu verpassen, ein dicht gedrängtes Kulturprogramm. Wir besuchten diverse Museen und ein Ballet in der Oper.

Alles in allem war es eine sehr schöne Zeit und ich werde in Zukunft wieder hinfahren.

Einige Zeit nach meiner Reise habe ich einen Text über meinen Aufenthalt verfasst, den ich euch natürlich nicht vorenthalten will. Er ist allerdings auf russisch 😉
Text: Одесса[/spoiler]