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2012 08 – Petersburg – Woche 3, best of…

Die dritte und letzte Woche ist wirklich schnell vergangen. Es war gleichzeitig ein kurzer Trip und kam mir so vor als wäre ich mehrere Monate mit meinen Kolleginnen und Kollegen zusammen gewesen…

Von offizieller Seite besuchten wir das Blockade Museum, ein interessanter und zugleich trauriger Ort und hatten außerdem Kontakt mit der russischen Seele (laut einer Einheimischen, die sich furchtbar darüber beschwert hat). Wir wollten mit dem Schiff nach Кронштадт (Kronstadt) fahren, es passten aber nicht alle ins Boot. Man durfte Meisterinnen und Meister des Vordrängens bei der Arbeit erleben und dann wurde mit „Wir sind zwar schon voll aber wer noch rein will und einen Stehplatz in Kauf nimmt, der zahlt nur die Hälfte“ noch einiges an Geld herausgeholt.
Insgesamt war unser Aufenthalt dort leider sehr kurz (wir sind schließlich mit dem Bus gefahren und haben dadurch viel Zeit verloren) und ich hatte das Gefühl, dass ich das Inselchen gerne genauer unter die Lupe nehmen würde. Zum Schluss besuchten wir noch die Einweihungmesse der Kathedrale, wo sich Unmengen an Touristen tummelten und ein „Bischof“ (das orthodoxe Äquivalent) mit mieser Laune den Weihrauch schwang. Bei der Rückfahrt mit dem Schiff (diesmal waren wir schnell genug!) stellte sich heraus, dass  ein Аквабус (Aquabus – eines der Schiffe) kaputt ist und deswegen nur halb so viele Leute mitfahren konnten und die Fahrt zweieinhalb Stunden in Anspruch nahm. Nicht zu vergessen das unser Kapitän zu tief in die Flasche geschaut hat und wir beinahe mit einem Tanker (oder etwas ähnlichem) und einem Bauschiff zusammengekracht wären. Die ewige Verspätung hatte zumindest das Gute, dass ich den Sonnenuntergang vom Schiff aus genießen konnte!

Kulinarisches

Die letzte Woche bot auch einiges an frischen Entdeckungen, als ich wieder mal mit verschiedenen Cliquen unterwegs war. Zum einen habe ich dadurch eine recht gute Pizzeria (Ollis) entdeckt. Zum anderen war ich in einem spannenden Kunstcafe (этажи) mit Terrasse. (Wo uns Tauben die Laune vermiesten und wir deshalb hinein flüchteten.) Shawarma stand ebenfalls auf der Speisekarte und durch viel frischen Zwiebel hatte ich auch länger was davon, lecker war’s trotzdem. Unser Abschiedsabend fand beim Aserbaidschaner statt, wo wir gemeinsam gesungen haben, tanzten und Spaß hatten. Was den Abschied am nächsten Tag umso schwerer machte… 🙁

Kunst

Ständig umgeben von Leuten die malten, zeichneten,… überkam es mich einmal und ich zückte im таврический сад (Taurischer Garten) meinen karierten Block und einen Kuli – nicht das ideale Equipment aber manchmal muss man nehmen was man hat. Hier konnte ich der künstlerischen Luft dann nicht mehr widerstehen und es war eine spannende und entspannende Sache. Vielleicht poste ich später was ich geschaffen habe…
Das russische Museum hat es mir wie in Odessa auch schon sehr angetan, dagegen hatte die Ermitage einfach keine Chance!

Spaziergänge, Aktivitäten und Kreislaufkollaps

Nach dem Blockade Museum schlenderten wir zum Smolniy Kloster (wo ich zwischendurch mein Kunstwerk erstellte), hatten an einem anderen Tag das Nachmittagsprogramm mit Bowling ausgefüllt – Ich war leider ziemlich zerstört an diesem Tag, da ich ein paar Tage zuvor beim Laufen nicht auf meinen Körper geachtet hatte und einen Kreislaufkollaps mit vielen Stunden mit Wärmeflasche und Tee im Bett verbrachte. – und gegen Ende der Woche erkundete ich alleine (alle Anderen waren Bücher, etc. einkaufen) noch das Univiertel auf der Стрелка („Spitze“).

Viele nette und interessante Bekanntschaften

Leider ist der Kontakt mit den Russinnen sehr rar, da wir alle viel zu tun haben und außerdem noch die Zeitverschiebung hinzukommt. Ich bemühe mich allerdings immer wieder mal mit ihnen zu schreiben. Leichter ist es natürlich für uns in Österreich, wir sind ja wirklich ein kleines Land. 😉 So trafen wir uns kürzlich, weil russischer Besuch da war (ein paar Russinnen studieren in Deutschland) oder ich habe den Fotomarathon gemeinsam mit einer motivierten Freundin bestritten. Auch einen Physiker durfte ich kennenlernen und habe ihn natürlich gleich über seinen Werdegang ausgefragt…

Alles in allem eine super Zeit

Ich möchte mich gerne bei der Organisatorin bedanken, die das Ganze wirklich toll hinbekommen und uns einen unvergesslichen Aufenthalt ermöglicht hat. Ich vermisse alle Kolleginnen und Kollegen, wenn es auch nur drei Wochen waren, so waren wir ständig zusammen und konnten uns so kennenlernen, dass ich das Gefühl hatte, dass wir uns bereits mehrere Monate kennen…

PS: Der Text ist vielleicht nicht sehr gelungen, ich hatte ziemlich starke Kopfschmerzen, wollte euch aber nicht im Stich lassen!

2012 08 – Petersburg – Woche 2, Porträts aus der Gruppe

Mit so vielen fotografiert-werden-wollen wütigen Modellen, war ich quasi im Schlaraffenland. Es gab kein dezidiertes Shooting, sondern eher nebenbei-Produkte. Wir hatten soetwas geplant, da ist uns allerdings dann leider die Zeit davongelaufen. Alle Beteiligten sind mit den Ergebnissen trotzdem recht zufrieden…

2012 08 – Petersburg – Woche 2, best of…

Die zweite Woche stand stark im Zeichen der Kultur und meine Kleingruppe war mit der Abendgestaltung in Form eines Cookouts an der Reihe. Dafür haben wir uns was ganz besonderes einfallen lassen…

Neben dem politischen Museum machten wir einen Kinobesuch, was wirklich ein  besonderes Erlebnis war! Ein ehemaliger Theatersaal mit sehr bequemen dreh- und kippbaren Sesseln und viel Platz auf allen Seiten. Der Film „Римские Приключения“ (To Rome With Love) war sehr nett und wir hatten keine Probleme dem Russisch zu folgen (die Story kapieren ist eine andere Sache ;)). Kurioses und Abartiges haben wir uns in der кунсткамера (Kunstkammer) angesehen und auch die Эрмитаж (Ermitage) wurde nicht verschont. Zur Abrundung unternahmen wir eine Bootsfahrt, spazierten viel, mitunter auch im летный сад (Sommergarten) und entspannten.

Kunst und ich I

Die Exponate in der Ermitage habe ich im Eiltempo an einem Nachmittag komplett durchgeschaut und festgestellt, wie ich zu Kunst stehe. Mir ist egal wer was gemalt hat, wichtig ist, dass mich ein Bild anspricht, Gefühle erweckt und mich ergreift. Der Stil kann noch so toll sein (laut Kritiken, meiner Bildnerische-Erziehung-Lehrerin und co.), wenn es mir nicht gefällt, ist es einfach (für mich) nix besonderes. Gehe ich an einem Bild vorbei und bleibe stehen, dann ist das eine Ehre ;). Praktischerweise zahlen Studierende keinen Eintritt, wobei ich mir nicht sicher bin ob das nur für russische oder allgemein galt. Da gibt es oft Unterschiede.

Unser Abendprogramm – Cookout

Meine Gruppe hatte als Abendgestaltung gemeinsames Kochen (nach Vorbild des Cookouts, dass ich auf der TU einführte). Ein kleiner Zickenkrieg und einige Stresssituationen wurden auf dem Rücken meiner österreichischen Kollegin ausgetragen. Alle Versuche sie zu unterstützen waren leider vergebens, da ich keinen Zugang zur Ebene des Streits hatte. Vielleicht war es auch besser so. Jedenfalls danke ich ihr sehr für diese intensive Mehrleistung. Chaos durch Sprache/Missverständnisse habe ich immer wieder versucht auszuräumen und alles in allem hatten wir einen gelungenen Abend. Wir haben uns auf alle Küchen aufgeteilt und gekocht um uns anschließend in der Kantine Durchzukosten. (russische Schwammerlsuppe, Borschtsch, Salat Olivje, Blini, Kaiserschmarren, Spaghetti all’arrabbiata, Knödel,…) Gemeinsam mit ein paar kreativen Leuten habe ich Wiener Schnitzel vom Schwein zubereitet. Die Besonderheit war, dass wir aus Jux und Tollerei (und weil man uns immer rät alles zu waschen) das Fleisch mit Vodka gewaschen und nachher (ca. 30 Minuten)  darin eingelegt haben. Das Ergebnis war ein leckeres zartes Schnitzel mit speziellem Aroma. Ich kann’s nur empfehlen das auszuprobieren!

Wochenende und Fortgehen

Am Wochenende hatten wir dann einen Ausflug nach Пушкин (Pushkin), wo wir eine Führung durch den Sommerpalast bekamen und anschließend leider zu wenig Zeit um den Garten/Park noch anzuschauen. Zur Stärkung nahmen wir ein gemeinsames Mittagessen in einer Disco ein, was ein ungewöhnlich aber witziges Ambiente bot.
Am Abend beschloss ich spontan über meinen Schatten zu springen und die Anderen beim Fortgehen zu begleiten. Es war ein netter Abend, auch wenn dieser ein bisschen von Kindergartensituationen überschattet war und sich die Truppe auf zwei aufgeteilt hat, was nicht komplett ohne Zickereien verlief. Der Ort wo wir landeten war mir nicht ganz geheuer. Eine zwielichtige Gegend, wo eine Disco neu eröffnet hatte. Beim Heimgehen durften wir noch eine brutale und blutige Schlägerei mitbekommen (einer hatte einen Baseballschläger, viele Tritte, Platzwunden, damische Männer, einer ist mit dem Auto provokant und mit ein paar Remplern durch die Menge gefahren,…).

Ich verstehe nicht wieso Menschen so aggressiv und brutal sein müssen/können. Bei solchen Gewalttaten kommt mir immer das Kotzen und ich frage mich, wieso Menschen sowas machen und meine Laune war mies.Das gibt mir immer wieder zu Denken und macht mich auch fertig/traurig. In Wien erlebt man solche Szenen auch hin und wieder (ich Gottseidank verschwindend selten),  hierzulande ist aber doch mehr Polizei innerhalb kürzerer Zeit zugegen und nicht nur ein einzelner korpulenter Wachtmeister. Diesen Teil des Programms hätten sie sich sparen können. Die Gegend ist außerdem kein Ort, wo es mich je normal hinziehen würde… Nach Hause nahmen wir die erste Metro um 5:40.

Kulinarisches

Zwei Ketten, die mich nicht wirklich überzeugen konnten:

  • Теремок (Teremok) – eine Kette bei der man hauptsächlich aber nicht nur diverse Блины (Palatschinken/Crêpe) Gerichte bekommt. Ist in Ordnung aber nicht herausragend.
  • Евразия (Eurasien) – Ein Besuch hat gereicht. Nicht wirklich gute asiatische Küche, vielleicht war es einfach Pech und normal ist sie besser. Vielleicht auch nicht. Irgendwie bin ich nicht sehr gewillt eine zweite Chance einzuräumen.

Nachdem wir uns nach dem Fortgehen ausgeschlafen hatten beschlossen wir Burschen uns was besonderes zu gönnen. Ein Georgier, der laut Reiseführer exzellent sein soll, war wirklich ausgezeichnet und konnte sogar meinen bisherigen Favoriten Tiflis (Wien, leider zugesperrt) toppen. Eine häufig besuchte Cafeteria mit dem Namen Marketplace (Nevsky Prospekt, 24) kann ich sehr empfehlen, weil gut und günstig.

Einzig wirkliche Schattenseite dieser Woche war neben der Schlägerei, dass ich um mein Telezoom (70-300) erleichtert wurde.

2012 08 – Petersburg – Woche 1, Porträts aus der Gruppe

Aufgrund der immensen Menge an Fotos habe ich mich dazu entschlossen auch die Portraitfotos in drei Wochen zu gliedern und so zu veröffentlichen.
Die Kolleginnen und Kollegen standen oft gerne Modell bzw. forderten mich auf Fotos zu machen, was mich zum Experimentieren und zahlreichen Fotos motivierte.

2012 08 – Petersburg – Woche 1, best of…

Schon wieder eine halbe Ewigkeit her, die Fotos wollen allerdings das Licht der Internetwelt erblicken und gezeigt werden. Ich habe vor jede Woche (von 3) einzeln durchzugehen, zu erzählen was passiert ist,etc. Lasst uns nun mit der ersten Woche beginnen…

In „alte“ Zeiten versetzt fühlte ich mich durch niedliche alte Autos und jede Menge Hochzeiten. Auch wenn letztere nicht so komprimiert und zahlreichend erscheinen so sind sie doch auffallend oft zu beobachten. Auch einige der Mittagessen (in der Heimkantine) erinnerten mich immer wieder an meine Tage in Odessa, auch wenn es nicht so lecker war wie „zu Hause“. Auch die Schokolade in den Supermärkten war nicht vor mir sicher, vor allem nachdem ich entdeckt habe, dass sie meine Lieblingskekse aus der Ukraine importieren (Супер Контик) und so kam eins zum anderen und ich fühlte mich schnell wohl. Apropos Supermarkt, meine Leidenschaft zu Joghurtdrinks wurde dort aufgrund einer schier unendlichen Vielfalt auf ein neues Level gehoben. Es gab Geschmacksrichtungen, von denen wir zuhause keine Ahnung haben: Müsli mit Apfel, Limette (gibt es mittlerweile),… und das von Danone 😀

Was ist also passiert in der ersten Woche?

Wir hatten einige von Referaten begleitete Stadtspaziergänge, die sehr praktisch waren, da sie die typischen Punkte, die man besuchen sollte abdeckten. Durch die Nähe – nach einem Referat – zum botanischen Garten, konnte ich ein paar Leute motivieren dorthin zu gehen, was ein ordentliche Wanderung wurde und leider nicht so schön war wie erhofft. Außerdem zog es mich vom ersten Tag an ans „Meer„, wo wir auch am zweiten gleich waren (leider nur dieses eine Mal).

Schon nach kürzester Zeit bildeten sich Cliquen und eingeschworene Grüppchen, zwischen denen ich immer wieder hin und her hoppte. (Schon in der Schule ging mir das auf den Zeiger aber darüber muss man sich einfach hinwegsetzen.) Somit hatte ich an einem Abend ein nettes Kartenspielchen (Дурак – von welchem ich die Regeln noch immer nicht ganz verstanden habe.) mit ein paar Russinnen, am anderen einen netten Plausch mit österreichischen KollegInnen oder einfach ein gemütliches Abendessen in Gesellschaft der Truppe, mit der ich meist unterwegs war. Selten aber doch gingen wir auch essen, zweimal hatte ich Pelmeni (welche unglaublich gut waren) und da Italienisch die Lieblingsküche einiger russischer Kolleginnen ist, probierten wir eines ihrer Lieblingslokale. Ansonsten habe ich natürlich versucht herauszufinden, ob es in Petersburg auch so gute Konditorwaren gibt, was leider noch einiger Tests bedarf! 😀

An unserem freien Wochenende machten wir einen Ausflug (auf Empfehlung der Orga) nach Петергоф (Peterhof), der leider von Regen überschattet war und uns durch „nass bis auf die Unterhose“ in Erinnerung blieb. Doch auch Gold, golden und noch mehr Gold, hinterließ einen bleibenden Eindruck. Jedenfalls waren unsere Monarchen um einiges bescheidener als ihre russischen Kollegen… 😛

Des Nächtens ist es nicht mehr so einfach sich frei in Petersburg zu bewegen, da viele der Brücken aufgemacht werden, damit größere Schiffe passieren können. (Außerdem fährt keine Metro ab 00:30) Ein Spektakel soll es sein, so hörte ich, deswegen haben wir uns in einer großen Gruppe aufgemacht diesem beizuwohnen. Doch leider sind wir für spannendere Ausblicke auf der falschen Insel und von der anderen kämen wir leider nicht mehr so einfach zurück. So bleibt nur der Blick aus der Ferne…

Mein groß angelegtes Laufprogramm (ca. ein Drittel bis die Hälfte der Teilnehmenden war nicht abgeneigt) wurde ein kleiner Erfolg und ich hatte regelmäßig gute Gesellschaft beim Laufen. Dadurch, dass wir Runden liefen, konnten alle aufhöhren, wann es ihnen zuviel wurde. Auch das Terrain war spannend und abwechslungsreich, der Parkour hatte Strand-, Betonelemente, weichen Parkboden und anspruchsvolle Pflastersteine zu bieten und natürlich eine Spitzen-Aussicht, wenn wir die Нева (Newa) entlangliefen. Um ein bisschen runterzukommen, Zeit für mich zu haben und ein bisschen die Stadt zu erkunden, lief ich (schon) am dritten Tag alleine durch die Gegend. Mein Ziel zum Hafen zu gelangen habe ich leider nicht erreicht. Dieses eine Mal war dann genug Einsamkeit für den Rest des Aufenthaltes.

Im nächsten Post möchte ich näher auf Portraits von Kolleginnen und Kollegen eingehen…

2012 08 – Petersburg – Stadt, Gefühle und Probleme

Bei mir wird Sankt Petersburg neben Odessa und Wien eingereiht. Was ich bisher gesehen habe gefällt mir sehr gut und war sicher noch nicht alles. Die Zeit reicht einfach nicht um einfach mal herumzuschlendern oder das ich mich wirklich dem Fotografieren widmen könnte. Ich nutze lieber alle Möglichkeiten für Kommunikation…

Der гречневая каша (Buchweizen) mit Rindfleisch im Flugzeug stimmte mich gleich richtig ein und erweckte altvertraute Gefühle des „Heimwehs“ in mir. Ein wirklich cooles Accessoir im Flugzeug war auch die metallene Teekanne, aus der serviert wurde.

Stadtbild

Die Stadt ist sehr sauber und im Zentrum komplett renoviert. Dies hat mich anfangs ein wenig gestört, da es sich so unreal/zu perfekt anfühlte (alle Fassaden sind bunt, sauber und neu). Riskiert man einen Blick in die Innenhöfe oder fährt weiter raus, dann kann man sich ein besseres und reales Gesamtbild verschaffen. Petersburg hat einen ganz eigenen Charme, mir gefällt es, dass alles so weit und offen ist. Die Häuser sind in eher fröhlichen Farben angepinselt und angenehm niedrig (man fühlt sich nicht so erschlagen wie in Kiev). Die mehrspurigen Straßen kann mein teilweise leider nur sehr schwer überqueren (was auch meist verboten ist), deshalb muss man sich eine Unterführung suchen. Hin und wieder ist auch ein ordentlicher Umweg nötig um schnell mal die Straßenseite zu wechseln.
Das öffentliche Verkehrsnetz scheint gut zu sein, wobei wir bis jetzt hauptsächlich die U-Bahn genommen haben. Маршрутка (Marschroutentaxi) haben uns bis jetzt nur im Beisein von Ortskundigen gesehen. Sie scheinen weniger überfüllt zu sein als in Odessa kosten aber auch um einiges mehr. Straßenbahn und Trollibus rollen nur an uns vorbei…

Meer

Eine Stadt mit Meer hat immer sofort einen Bonus bei mir. Auch wenn russische Kolleginnen mich dann immer wieder fragen „Wo bitte ist hier ein Meer?“ oder „Welches Meer?“. Ich rede vom финский залив (dem Finnischen Meerbusen), den wir ziemlich am Anfang des Aufenthaltes besucht haben! Zwar waren wir nur kurz dort und die Fahrt relativ weit aber das Meerwasser und der Geruch haben mein Herz erwärmt. Leider scheint mir das Wasser nicht so sauber wie in Odessa aber das würde mich jetzt auch nicht sonderlich stören baden zu gehen, wenn das Wetter wieder mal schöner ist.
Doch nicht nur Salzwasser gibt einen Startbonus, sondern auch Flüsse die durch Kanäle die Venen der Stadt bilden. Nicht umsonst wird Sankt Petersburg als das Venedig des Nordens bezeichnet, das Flair der vielen Kanäle in Kombination mit großzügigen Platz links und rechts gibt einiges her! Ich hoffe das Wetter wird bald besser, denn dann können wir eine Kanalrundfahrt machen.
Lustig sind die Dachrinnen, die einfach direkt auf den Gehsteig münden…

Menschen, Kriminalität – und einmal Pech gehabt

Generell kann ich sagen, dass ich mich ähnlich wohl und sicher wie in Odessa fühle. Die Menschen scheinen mir etwas deutlicher zu sprechen und vielleicht einen Tick hilfsbereiter zu sein (vielleicht ist mein Russisch aber auch einfach nur besser). Ich fühlte mich nie unwohl, bin aber auch nicht wirklich alleine unterwegs gewesen und wirklich finster war es dabei bis jetzt auch nicht. Solange man sich in den „Touristenbezirken“ aufhält sollte man, außer vor Taschendiebstahl, eigentlich keine Bedenken haben.

Etwas anders sieht es in der Metro aus, vor ein paar Tagen hatte ich das Pech, dass ich einem faszinierenden Coup auf den Leim gegangen bin. Durch einen organisierten „blöden Zufall“ wurde ich von meiner Gruppe abgespalten (circa ein Meter Abstand) und stieg mit einer Handvoll Leute in die U-Bahn ein. Plötzlich war ich umzingelt von Ganoven die so taten als ob sie schnell aussteigen wollten (Falsche Richtung). Das Gedränge, das folgte war perfekt inszeniert. Ich konnte weder vor noch zurück und merkte leider erst zu spät was vor sich ging. Einer von ihnen hatte die Hand in meiner Tasche, woraufhin ich ihn sofort hinaus stieß, ausstieg und geschaut habe ob er das Objektiv (70-300mm), das mir fehlte noch in der Hand hielt. Sie waren etwa zu siebt und ein paar waren draußen und ein paar sind mit der U-Bahn weitergefahren. Vermutlich wurde es weitergereicht und blieb in der Bahn oder war schon am Weg nach oben.
Der Verlust ist zwar blöd, berührte mich aber gottseidank nicht wirklich. Vielleicht war auch das große Mitgefühl und die Hilfbereitschaft meiner Begleiterinnen ein Grund. Wegen der Sache wollte ich mir meinen Urlaub jedenfalls nicht verderben lassen.
Was bleibt ist nur die Faszination wie professionell sowas abläuft und froh zu sein, dass mir nichts passiert ist und ich noch meinen Pass habe.
Eine Regel für die Zukunft: immer alles zumachen, fest am Körper halten und unauffällig aussehen und vor allem aufpassen, dass man nicht von seiner Gruppe getrennt wird! Die Leute beobachten geduldig und schlagen zu sobald sie ein Opfer finden…

Da ich auf meinem Laptop fast nicht mehr arbeiten kann wird es ein „best of“ geben sobald ich wieder zu Hause bin. Wirklich viel von der Stadt fotografiere ich allerdings nicht wirklich. Ich fokussiere mich eher auf Portraits von meinen Kolleginnen und Kollegen…

2012 08 – Petersburg – Привет из Питера – Die erste Woche

Nun bin ich wirklich in Sankt Petersburg – Die ersten zwei Wochen sind schon fast um und eigentlich ziemlich schnell vergangen. Mein erster Urlaub in Russland und gleichzeitig meine erste Sprachreise, bei der ich nicht alleine unterwegs bin. Viele neue Erlebnisse und Erfahrungen und vor allem ganz anderer Zeitplan…

Dienstagnachmittag vor zwei Wochen habe ich meine österreichischen Kolleginnen (sowie 2 Kollegen) endlich real kennengelernt. Bis jetzt kannte ich sie nur über Facebook und die Vorstellung auf der Projektseite (ISI). Dieses Vorfühlen hat allerdings das Merken der Namen erheblich erleichtert, da im Vorhinein schon einiges hängen geblieben ist. Bei den russischen Kolleginnen klappte das leider nicht so gut (bis auf 2-3). Nach einer kurzen Vorbesprechung und Vorstellrunde machten wir uns plaudernd auf und hoben später mit ROSSIYA Airlines ab, welche ich als empfehlenswerte Fluglinie empfinde!

Leben in der Общежитие (Wohnheim für Studierende)

Nach einer kleinen nächtlichen Tour im Bus kamen wir relativ erschöpft an und bezogen unsere Zimmer im Studentenheim auf der zentral gelegenen „Insel“ Petrogradskaya. Ich bin mit der Wohnsituation eigentlich im Großen und Ganzen zufrieden, uns fehlt es an nichts (Kühlschrank, Herd und warmes Wasser sind vorhanden). Die Wohnung ist sauber und in der 4. этаж (3. Stock) deshalb relativ gelsenfrei. Die Stufen sorgen für tägliches Fitnesstraining und gleich nebenan lässt es sich eigentlich ganz gut laufen. Wir leben zu Fünft (4 Burschen aus Österreich und ein Schweizer der auf eigene Faust unterwegs ist) in 2 Zimmern plus Dusche, WC und Küche. Das Bett ist wie gewohnt zu klein, aber ich schlafe mittlerweile recht gut, wenn auch zu wenig. Meine Mitbewohner kochen relativ oft, ich habe irgendwie im Moment nicht wirklich die Muße dazu. Meine Ernährung ist generell sehr inkonsistent, es ist zwar einiges an Obst und Gemüse dabei aber auch viel Schokolade, Gebäck usw. und alles durcheinander und zu verschiedensten Zeiten.

Kurs, Kolleginnen und Kollegen

Leider haben wir keine russischen Kollegen, die mit uns im Zimmer wohnen, was Vor- und Nachteile hat – Das hat mich anfangs sehr betrübt, mittlerweile streife ich aber gerne durch die Wohnungen der Kolleginnen, die über die Etagen verteilt sind um zu Plaudern, Hausübung zu machen (jaja), Kartenspielen oder zu essen.
Jeden Morgen (außer am Wochenende)  haben wir Sprachunterricht, getrennt in zwei verschiedene Niveaus, mit zwei verschiedenen Lehrerinnen (die sich nach einer Pause abwechseln). Mit einer sind wir mehr als zufrieden, was die andere wieder durch Missmut unsererseits ausgleicht. Erstaunlich ist, dass wir alle auf einem sehr ähnlichen Sprachlevel sind und einige von uns sich auch untereinander (selbst ohne russische Kolleginnen) auf Russisch unterhalten.
Unsere jungen Russinnen (wir aus Österreich sind im Schnitt um einiges älter) sind teils sehr offen aber Großteils leider schwer zugänglich, gemeinsam haben alle mit denen ich bisher mehr Kontakt hatte, dass sie sehr freundlich und zuvorkommend sind. Ich bemühe mich mit möglichst vielen in Kontakt zu kommen und auch, dass sie mit mir auf Deutsch reden, was sie leider aus Scham oft nicht gerne tun. Die Motivation, wieso sie beim Kolleg dabei sind reicht von „Ich wollte endlich mal Petersburg sehen und interessante Leute kennenlernen“ bis „Ich möchte mein Deutsch verbessern“. Interessant ist es auf alle Fälle und kulturelle Unterschiede sind auch zu bemerken…

Wetter und Helligkeit

Ein Grund wieso das Schlafen hier so anders ist, ist, dass der Himmel bis etwa 23:00 hell ist und die Sonne mich immer schon spätestens um 7:00 aufweckt. In den ersten Nächten war es ziemlich heiß und wir schlafen immer noch bei offenem Fenster. Mittlerweile ist es in der Früh mit nur einem Deckenüberzug als Decke zu kalt. Hier haben wir schon die Eigenheit des Wetters: bis jetzt hatten wir noch keinen Tag, wo es nicht zumindest ein paar Minuten geregnet hat. Das Wetter ist unvorstellbar wechselhaft – aus heiterem Himmel kann es zum Regnen anfangen und im nächsten Moment knallt wieder die Sonne herunter. Man ist gut beraten mit kurzen Sachen, Badeschlapfen und einer Regenjacke, denn nach einem Schauer ist es meist wieder zu heiß für die Jacke. Gerade allerdings setze ich auf meine wasserdichten Stiefel, eine Jeans und Softshell. Zur Sicherheit ist die Regenjacke auch sehr oft dabei.

Mittlerweile bin ich richtig Entspannt und habe den Alltag und die Sorgen fürs Erste hinter mir gelassen. Bis ich wirklich angekommen war hat es 2-3 Tage gedauert aber mittlerweile habe ich auch schon Sankt Petersburg in mein Herz geschlossen.

2012 08 – Petersburg – Urlaubsvorbereitungen

Um 14:30 geht mein Bus zum Flughafen, bleiben noch ein paar Stunden um zu packen und vielleicht noch ein gutes Mittagessen zu genießen. Aufgrund der Ungewissheit, wie sehr mich das Programm beanspruchen wird und wieviel Zeit ich für Veröffentlichungen habe werde, wird es spätestens Ende August ein Update aus meinem Urlaub geben (denn da bin ich wieder zurück)…

Leider ist die Urlaubsstimmung immer sehr stark davon abhängig, wie geballt die Tätigkeiten davor sind und da ich gestern eine Prüfung hatte und sonst noch jede Menge anderer Dinge zu tun, bin ich grad irgendwie noch nicht soweit zu sagen, dass ich Urlaubsstimmung habe. Ich denke es braucht schon ein zwei Tage bis ich mich aklimatisiert und den Alltag hinter mir gelassen habe.

Ich bin auf alle Fälle schon sehr gespannt wie es ist mal in einer „Reisegruppe“ mehrere Wochen lang zu verbringen. Es werden sich auf alle Fälle neue Freundschaften ergeben und wahrscheinlich auch viel Spaß machen. Natürlich gibt es viele Vor- und Nachteile und ich bin schon sehr gespannt sie auszutesten im Vergleich zu den „einsamen“ Urlauben in Odessa…

Also wie gesagt, erwartet am 12. Aug bitte kein Update, denn ich kann nicht versprechen, dass ich das hinbekomme. Vielleicht überrasche ich zwischendurch mit Details von der Reise 😉

Schönen Sommer und bis dann!

2012 08 – Sankt Petersburg – Die Bewerbung

Gefühlte 100x habe ich mein Motivationsschreiben überarbeitet um mich zur Teilnahme am Sommerkolleg des ISI nach Sankt Petersburg zu Bewerben. Viel Information, die ich gerne preisgeben wollte, musste auf eine A4 Seite zusammengequetscht werden. Mein Ansatz eine kleinere Schriftart zu verwenden wurde vernichtend kritisiert… 😉

Zuerst möchte ich allen danken, die mich unterstützt haben ein gutes Schreiben zu verfassen. Vor allem denen, die mir Verbesserungsvorschläge lieferten und so halfen, einen wirklich motiviert klingenden Text zu verfassen. Dank euch habe ich meine Bescheidenheit überwunden und meinen Text auf das wesentliche (von mir vertretbare) gekürzt. Durch eure Inputs aus verschiedenen Berufsfeldern konnte ich sehr von unterschiedlichen Blickweisen profitieren.

[spoiler show=“Motivationsschreiben“ hide=“verstecken“]Ich bin Physikstudent an der TU-Wien, wo ich gerade meine Diplomarbeit schreibe und als Tutor tätig bin. Im März 2008 startete ich am Sprachenzentrum der UniWien meinen ersten Russischkurs. Mittlerweile habe ich das Niveau C1 abgeschlossen und bin relativ routiniert in Alltagssituationen.

Nach circa einem Jahr machte ich meine erste praktische Auslandserfahrung in Odessa. Die Stadt, Kultur und Menschen bewegten mich dazu insgesamt 3 Sommer (jeweils ein Monat) dort zu verbringen. Durch den Einzel-Intensivkurs vor Ort konnte ich viel lernen und genug Praxis zu sammeln um die Sprache außerhalb des Unterrichts anwenden zu können.
Die Gastfamilie trug einen großen Teil zu meinen Kenntnissen bei und sorgte dafür, dass ich mich rundum wohlfühlte. Stundenlange Gespräche mit der Gastmutter waren gutes Training und ihre Versorgung mit Köstlichkeiten aus der russisch-ukrainischen Küche machten meinen Aufenthalt unvergesslich. Mit ihrem Sohn (6-8 Jahre) freundete ich mich schnell an und wir spielten oft gemeinsam.
Die Erfahrung alleine in ein fremdes Land zu reisen, die Kultur kennenzulernen und die Sprache zum ersten Mal wirklich anzuwenden war unvergleichbar. Ich hatte sehr viel Spaß aber auch Momente der Verzweiflung und Frustration. Vor allem beim ersten Besuch, als das Sprechen noch gar nicht richtig funktionierte oder in Momenten gegen Ende des Aufenthaltes, wenn es einfach schon zu viel Russisch war.

Im Moment besuche ich leider keinen Kurs, versuche aber mit einer Tandempartnerin am Ball zu bleiben. Außerdem stehe ich über die Sprachplattform Livemocha (sowie Skype) in regem bilingualen Austausch mit russischsprachigen Menschen. Vorteil ist, dass es Spaß macht, man sich gegenseitig hilft und gleichzeitig auch etwas über die eigene Sprache lernen kann.

Russisch ist mittlerweile ein großes Hobby und stellt einen guten Ausgleich zu meinem Studium dar. Ich habe das Ziel meine Kenntnisse zu perfektionieren und die Sprache bestmöglich zu beherrschen. Es ist sehr interessant die russische Mentalität und Kultur auf Reisen zu erforschen und man lernt wesentlich schneller, wenn man 24h von einer Sprache umgeben ist. Um die echte russische Kultur und Bevölkerung (in Russland) kennenzulernen schafft das Sommerkolleg für mich den idealen Rahmen.

Sankt Petersburg stelle ich mir als ideales Ziel vor: ich liebe das Meer, Brücken sowie großzügig angelegte Städte. Als leidenschaftlichen Hobbyfotografen und Reisenden ziehen mich natürlich prunkvolle Bauten, der Hafen sowie der Charme der Stadt an (den es noch zu bestätigen gilt). Auch bin ich sehr gespannt auf die Unterschiede zu Odessa und Wien. Am Sommerkolleg reizt mich vor allem die Möglichkeit von Anfang an Kontakt zu Einheimischen zu haben und Freundschaften zu knüpfen, was den Aufenthalt im Vergleich zur Einzelreise erheblich spannender gestalten sollte.

Ich bin überzeugt davon mich gut in die Gruppe des Sommerkollegs zu integrieren, da es mir viel Freude bereitet anderen zu helfen und die beidseitige Entwicklung zu fördern. Als Teenager habe ich viele Jahre Basketball gespielt und dabei meine Teamfähigkeiten voll ausgelebt. Ich finde, dass man zusammen durch Austausch von Ideen und gegenseitiger Motivation tolle Ergebnisse erzielen kann. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Studienvertreter konnte ich auch spannende Erfahrungen in Bezug auf Vernetzung sammeln.[/spoiler]

Der Lohn: Seit gestern habe ich offiziell die Bestätigung, dass ich dabei bin 🙂

Nächster Schritt ist es sich mit dem Arbeitsauftrag auseinanderzusetzen (Eine Art Vortrag/Referat) und den Tandempartner oder die Tandempartnerin, sowie die Gruppe ein wenig näher kennenzulernen. Ich bin schon gespannt wie es weitergehen wird und auch wie mir Sankt Petersburg gefallen wird. Mir wurde jedenfalls schon sehr viel darüber erzählt, was in mir Fernweh geweckt hat…